Auswahl

Belletristik
Beziehung, Ehe, Familie
Fotografie
Geschenkbuch
Humor
Kriminalroman
Kunst
Reise, Tourismus
Religionen
Roman

no es nada Buchtipp

Das Rote Pferd. Roman.

Von Gert Richter

Angeblich sind in der Kunstgalerie Xaffiti gefälschte Grafiken des exzentrischen Malers Gala aufgetaucht. So jedenfalls berichtet der IGEL in seiner neuesten Ausgabe. Eine Katastrophe für Lucia DiCotone, der die Galerie gehört.

PR-Berater Vivaldi bekommt vom Finanzmagnat Rainer Baloney den eiligen und sehr lukrativen Auftrag, diese Hetzkampagne in den Medien zu stoppen. Aber dafür muss er zunächst einmal herausbekommen, was eigentlich dahinter steckt. Ist das "Rote Pferd", die berühmte Grafik von Gala, wirklich gefälscht? Nein, sagt Lucia DiCotone. Ja, sagt Max Wiese, der Chefredakteur des IGEL. Was stimmt?

Die Recherchen führen Vivaldi und seine allerliebste Sekretärin Debbie in das Honeymoonparadies Hawaii, und es passiert, was geschehen muss. Nur - das junge Glück kriegt sofort einen Dämpfer. Vivaldi muss allein zurück und mit leeren Händen in eine Talkshow, der sicheren Blamage entgegen. Von seinem üppigen Honorar wird er auch nicht einen Cent sehen. Und Debbie bleibt in Hawaii, bei einem fetten Rockgitarristen...

Denkt er. Aber weil Frauen oft klüger als Männer sind, nimmt Debbie die Sache in die Hände und führt alles zu einem guten, aber überraschenden Ende.

Ein spannender, fröhlicher Krimi zwischen Kunstmarkt und Hochfinanz, Hula- und Talkshow, Hamburg und Hawaii. Genau das richtige Buch für Sommer, Strand und Sonnenschirm.

ISBN 978-2-940364-07-7

Taschenbuch, 252 Seiten, vierfarbiger Titel, €19,80 - CHF 30.00 (empf.)


Klicken Sie hier, wenn Sie diesen Titel bei Amazon Deutschland bestellen möchten.


Hier können Sie direkt beim Verlag bestellen:


 

Leseprobe

Es war so ein schöner Spätsommertag. Draussen essen, in der Sonne, an der frischen Luft, das wäre doch mal was zur Abwechslung. Ich rief im Büro an, und Debbie war auch gleich dran, wie sich das so gehört bei einem aufstrebenden Miniunternehmen.

"Hast du Hunger?" fragte ich. "Dein Boss lädt dich zum Essen ein. Also sag ja."

"Du hast vielleicht eine Arbeitsauffassung", sagte sie. "Und wer kümmert sich um das Telefon?"

"Der Anrufbeantworter natürlich. Dafür haben wir ihn doch. Ich bin in fünfzehn Minuten unten vor der Tür. Tu mir einen Gefallen und lass mich nicht warten, weil ich wie immer keinen Parkplatz finden werde. Okay?"

"Yes, Boss", sagte sie und legte auf.

Tatsächlich stand sie auch schon da, als ich ankam. "Wo fahren wir denn hin?" fragte sie.

"Das wirst du schon sehen. Wart's ab."

Als wir an den See kamen, war es schon reichlich voll. Es wundert mich immer wieder, wie viele Leute die Zeit haben, sich während der Arbeit einen feinen Lenz zu machen. Aber ich gehörte heute ja schliesslich auch dazu.

Wir fanden einen freien Tisch, ganz für uns, kariertes Tischtuch, die Speisekarte unter dem Aschenbecher gegen Windböen gesichert.

"Geht das auf Spesen?" fragte Debbie, als sie die Karte studierte.

"Ich seh' schon, du willst mich arm fressen", seufzte ich.

"Haben die Herrschaften schon gewählt?" fragte der Ober und wedelte mit einer Serviette auf dem Tisch herum. Sein eigentlich weisses Hemd war ein bisschen schmuddelig, und überhaupt sah er nicht knitterfrei aus.

Debbie bestellte einen exotisch klingenden Salat sowie ein kalorienarmes Mineralwasser, und ich wollte Bouletten mit Salzkartoffeln. Und ein Bier.

"Ein deutsches Beefsteak der Herr, jawoll", korrigierte mich der Ober und entschwand.

"Dafür hätten wir wirklich nicht so weit fahren müssen", tadelte Debbie. "Bouletten gibt's auch bei uns um die Ecke. Und billiger."

"Wenn ich eines hasse", sagte ich sanft, "dann sind es liebe Mitmenschen, die mir sagen, was ich zu tun und zu lassen und vor allem zu essen habe. Bah!"

"Ist ja gut, ist ja gut. Was war denn nun bei Baloney?"

"Immer mit der Ruhe", sagte ich und lockerte dezent meinen Krawattenknoten. "Was weißt du über Kunstfälschung?"

Sie starrte mich an. "Kunstfälschung?"

Ich nickte und starrte zurück. "Kunstfälschung!"

Sie fand die Frage offensichtlich ein wenig albern, aber sie spielte mit.

"Na, da nimmst du einen Pinsel und malst einen alten Rembrandt ab oder einen van Gogh und dann findest du ihn zufällig auf dem Speicher oder auf dem Flohmarkt in Paris, und dann schreien alle 'Sensation' und du bist reich. Ich denke, jeder Kunststudent lernt, wie man alte Meister kopiert. So schwer kann das nicht sein. Man darf sich nur nicht erwischen lassen."

"Na ja", sagte ich, "ganz so einfach ist es bestimmt nicht. Wie kommt man an die alten Farben, und die alte Leinwand, und wie macht man das Zeug überhaupt auf alt?"

"Das habe ich mal im Fernsehen gesehen", sagte Debbie. "Die legen das in die Sonne oder unter ultraviolettes Licht, und dann suchen sie sich alte staubige Ecken in der Toscana, in alten Kirchen, und da wälzen sie die Bilder drin. Und dann binden sie es hinten an Autos an und ziehen die Bilder über die Strasse. Furchtbar, sage ich dir. Die gehen damit um, als wäre es Dreck."

Ich schaute ein wenig skeptisch. Manchmal traue ich Debbies Geschichten nicht so ganz.

"Der Baloney hat in seinem Arbeitszimmer einen alten Refektoriumstisch aus der Toscana", sagte ich. "Und einen Vermeer an der Wand."

Der Ober schleppte ein riesiges Tablett voller Getränke an und liess es aufatmend auf unserem Tisch nieder. Es musste mindestens 10 Kilo wiegen.

"Und was kommt hierher?" fragte er. Wir deuteten auf unsere Gläser. "Ein Mineral, ein Pils", sagte er und stellte sie vor uns hin. "Zum Wohl. Essen kommt gleich." Und dann lud er sich vorsichtig das Tablett wieder auf. Es muss nicht leicht sein, dieser Beruf. Der Ober schwitzte ganz schön.

"Hast du denn den Artikel im IGEL endlich gelesen?" fragte ich, nachdem wir getrunken hatten.

"Mhm", machte Debbie.

"Und?" fragte ich.

"Ich fand's nicht sonderlich interessant. Eine Galerie verkauft gefälschte Bilder. Angeblich. Vielleicht. Weiss man noch gar nicht so genau. Na und?"

"Aber verstehst du nicht? Der Ruf von Xaffiti ist jetzt schon im Eimer. Die sind untendurch. Kaputt."

Debbie nickte gelangweilt und schaute auf den See hinaus. Ein paar Segelboote waren schon unterwegs, weit draussen. Sie hatte Jeans an, eine Bluse und darüber ein Sweatshirt mit der Aufschrift "Nie wieder". Wahnsinnig originell.

"Was soll das eigentlich heissen, 'nie wieder'?" fragte ich.

"Was nie wieder?" Debbie verstand nicht, was ich meinte.

"Was du dir da quer über den Busen geschrieben hast", sagte ich.

"Ach so", meinte Debbie. "Weiss auch nicht. Hab' ich aus Mallorca."

"Ach so", sagte ich.

Der Ober brachte Debbies Salat, eine ganze Schüssel voll, mit allem Firlefanz, der Salate teuer und ungesund macht - Thunfisch, Eiern, Krabben, Schinken, Mayonnaise, Pilzen. Und Käse. Eine richtige Cholesterinbombe.

"Eine richtige Cholesterinbombe", sagte ich.

"Wenn ich eines hasse", sagte sie bestimmt, "dann sind es liebe Mitmenschen, die mir sagen, was ich zu tun und zu lassen und vor allem zu essen habe. Bah!"

"Und ein deutsches Beefsteak", sagte der Ober.

"Mordsbouletten", sagte ich. "Danke."

Die Fleischklopse waren gross und platt, mit viel brauner Sosse. So sollten sie sein.

"Mahlzeit", sagte ich.

"So ist es", antwortete Debbie und versenkte ihre Gabel in der Salatschüssel.

"Was hast du denn nun eigentlich vor?" fragte sie, nachdem sie ihre Lippen fein säuberlich abgetupft hatte. "Einstweilige Anordnung, Gegendarstellung und die ganze Latte?"

Debbie kennt sich aus. Sie ist schon eine Weile in dem Geschäft.

"Nee, erstmal nicht", sagte ich und zerquetschte eine Kartoffel. "Zuerst will ich mal sehen, was eigentlich hinter dem ganzen Zeug steckt."

"Na, irgendwas muss ja dran sein", sagte Debbie.

"Wieso?" fragte ich. "Wie kommst du darauf?"

"Weil Baloney dir so einen Haufen zahlt. Deshalb."

Debbie hat so einen praktischen Verstand, manchmal. Auf diese Antwort wäre ich im Leben nicht gekommen.

"Was hat das damit zu tun, dass Baloney viel zu zahlen bereit ist?"

"Meine Güte", sagte sie und betrachtete sorgfältig eine Krabbe, die sie auf ihre Gabel gespiesst hatte. "Wenn da nicht was stinken würde, wäre er zum Rechtsanwalt gerannt und nicht zu dir. Ist doch klar, oder?"

So hatte ich das noch gar nicht gesehen.

"Also schön", sagte ich. Die Klopse waren wirklich gut. "Umso mehr müssen wir herausbekommen, was hinter der Geschichte steckt."

"Und was denkst du?" Sie setzte ihr leeres Glas ab und sah sich nach dem Ober um. Er war am anderen Ende des Lokals beschäftigt.

"Bestellst du mir ein Bier mit?" bat ich. "Wenn du ihn siehst?"

"Danke gleichfalls", antwortete sie. "Also, was glaubst du, was los ist?"

"Ich war bei Gabriel, wie du weißt. Er sagt, dass es Schwachsinn wäre, Gala-Grafiken zu fälschen. Weil Gala es merken würde, und dann gäbe es einen Riesenstunk."

"Und? Hat er es gemerkt? Hat er Stunk gemacht?"

Ich bekam endlich Blickkontakt mit dem Ober und signalisierte ihm, dass wir noch gern etwas zu trinken gehabt hätten. Er nickte.

"Gute Frage", sagte ich. "Keine Ahnung. Steht auch nichts davon im IGEL. Seltsam."

"Ja, nicht?" sagte Debbie. "Da hätten die IGEL-Leute doch als erstes nachfragen müssen. Wenn die Grafiken eine Fälschung wären, könnte keiner sie besser identifizieren als Gala selbst."

"Komisch", sagte ich. "Aber du hast völlig recht, natürlich."

Ich ass erst einmal schweigend und dachte nach. Warum war mir das nicht aufgefallen? Logisch, das erste, was ein Reporter tun würde bei so einer Geschichte, wäre, bei Gala zu recherchieren. Aber hier hatte man das offenbar nicht getan. Oder doch?

"Vielleicht sollten wir einmal bei Gala nachfragen", brummelte ich.

"Bitte?" fragte Debbie. "Ich kann dich nicht verstehen, wenn du so brummelst."

"Ich glaube, wir sollten einmal selber bei Gala nachfragen", wiederholte ich, diesmal etwas lauter und deutlicher.

"Das wäre vielleicht keine schlechte Idee."

Der Ober hetzte herbei und brachte Debbies Mineralwasser und mein Bier.

"Viel los heute, was?" sagte ich. Ich bin immer nett zu allen.

"Bei dem schönen Wetter ist der Garten immer voll. Und heute ist noch ein Kollege ausgefallen. Ist einfach nicht gekommen", antwortete er. "Na ja, in einer Stunde ist der Spuk vorbei." Er lächelte, sammelte unsere leeren Gläser ein und hetzte weiter.

"Wo finde ich denn diesen Herrn Gala?" sagte ich.

"Weiss nicht", sagte Debbie. "Irgendwo in Spanien, denke ich. Aber diese Geschäftsführerin von Xaffiti sollte es ja wohl wissen, oder?"

"Bestimmt", nickte ich. "Aber diese Frau DiCotone soll doch verschwunden sein, sagt der IGEL. Andererseits hat Frau Meindl mit ihr telefoniert."

"Na siehst du", sagte Debbie und tunkte ein Salatblatt in die Mayonnaise.

"Und woher weißt du, wer Frau Meindl ist?" fragte ich misstrauisch.

"Ach Gottchen, Vivaldi, sie hat mich doch angerufen, bevor du Baloney zum ersten Mal am Flughafen getroffen hast."

"Auch wieder wahr", brummelte ich und schüttelte den Kopf.

"Brummel nicht", sagte Debbie. "Das schadet der Verständlich­keit deiner Aussprache. Aber was hat Baloney denn nun gesagt?"

"Eigentlich nicht viel. Er lässt mir freie Hand. Ich kann vorgehen, wie ich will. Nur soll ich erstmal seinen Namen heraushalten. Und mit der Frau DiCotone soll ich reden, die weiss Bescheid. Frau Meindl hat sie angerufen."

Debbie lehnte sich zurück und schaute mich gross an. "Und deswegen bist du eigens zu Baloney gefahren? Dafür hättest du ihn auch anrufen können."

"Danke für den Tipp", sagte ich. "Und dann, was hältst du davon, wenn wir in eine Talkshow gehen. Wenn die DiCotone einverstanden ist. Mit Wiese, wenn wir ihn dazu kriegen."

"Wann?" fragte Debbie und legte ihr Besteck weg.

"Nächste Woche. Oder so. Aber mindestens machen wir eine Pressekonferenz."

"Nächste Woche?" Debbie war total entgeistert.

"Bist du noch zu retten?" fragte sie. "Was willst du denn erzählen? Du hast doch keine Ahnung, worum es überhaupt geht! Du hast nicht mit Xaffiti geredet, du hast keinen einzigen Konkurrenten von Xaffiti interviewt, du hast keinen Kunst-Journalisten ausgequetscht, du kommst beim IGEL nicht weiter... Irgendwas an dieser Geschichte ist oberfaul. Und du willst eine Pressekonferenz machen, mit nichts in den Händen. In einer Woche."

"Oder 'ne Talkshow."

"Vivaldi, du spinnst!"

 

* * * * *